1. Modul – Imkern beginnen

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0) Einführung (Youtube)
1) Wie fange ich mit der Bienenhaltung an? (Youtube)
2) Wieviel Zeit muss ich einplanen? (Youtube)
3) Wie sollte der Aufstellungsplatz beschaffen sein? (Youtube)
4) Welches Beutensystem soll man nehmen? (Youtube)
5) Was benötigt man an Imkerausstattung? (Youtube)
6) Wo bekommt man die Bienenvölker her? (Youtube)
7) Wo sollte ich die Bienenvölker aufstellen? (Youtube)
8) Welche rechtlichen Vorschriften sind zu beachten? und Teil2 (Youtube)
9) Welche Versicherungen werden benötigt? (Youtube)
10) Wie geht es mit der Schulung inhaltlich weiter? und Teil2 (Youtube)
Hier der Link zur gesamten Playlist von Modul 1.
Quellen Modul 1
SeiteThema aus 1×1 des Imkerns
27Kauf von Bienenvölkern
29Der richtige Standort
30 – 31Wasser, Standortbedingungen, Bienenstich
32 – 33Aufstellung
38 -37Imkerwerkzeuge
45Magazinbeute
46Halbzargen
51Rähmchen mit Hoffmannseiten (Empfehlung)
60 – 61Wabenkunde
Zum Querlesen in 1×1 des Imkerns, Auflage 2017, von Friedrich Pohl

1. Wie fange ich mit der Bienenhaltung an?

Grundsätzlich sollte man mit 2 Bienenvölkern starten. Zum einen ist ein Vergleich zwischen zwei Völkern möglich, so dass Abweichungen sofort erkannt werden. Noch wichtiger ist die Möglichkeit auf das zweite Bienenvolk zurückzugreifen, falls der Verdacht besteht, dass ein Volk weisellos (Königin ist weg) geworden ist (Weiselprobe) oder tatsächlich weisellos ist.

2. Wieviel Zeit sollte ich einplanen?

Von März bis Oktober gibt an den Bienen immer etwas zu tun. Ab Ende April bis Ende Juli beginnt die intensivere Scharmzeit, in der man nicht verreisen sollte. Hier wird ein Überblick über die ungefähr anfallenden Arbeiten gezeigt. Eine Gesamtsumme pro Volk ist von vielen Faktoren abhängig. Im Bienenjournal (27.1.2020) wird bei einer Modellrechnung von 75 Stunden bei fünf Völkern ausgegangen. Als Anfänger sollte man auch bei zwei Völkern von nicht viel weniger Stunden ausgehen.

Bienenvölker schwärmen, das ist die Art wie sich Bienenvölker vermehren. Daher werden im 7 – 9 tätigen Turnus alle Bienenvölker auf Schwarmzellen geprüft um dann Maßnahmen ergreifen zu können. Bei dieser Gelegenheit wird das Volk auf seinen Gesundheitszustand und die Volksentwicklung untersucht. Nach zwei Jahren kann mit ca. 15 – 30 Minuten pro Volk rechnen. Als Anfänger eher mehr.

Will das Volk schwärmen, so können unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden, die ebenfalls zeitaufwändig sein können. Schwarmzellen brechen mit ca. 2o Minuten pro Volk. Königinnenableger mit ca. 30 bis 45 Minuten pro Volk.

In Hamburg sind zwei Honigernten möglich. Die erste Honigernte (Frühtrachthonig) Ende Mai bis Mitte Juni. Die zweite Honigernte (Sommertrachthonig) meistens 2 bis 3 Wochen später. Die Spitzenbelastung in der Imkerei ist bei der Honigernte. Neben dem Abräumen der Honigzargen fallen weitere Arbeiten mit Entdeckeln, Schleudern, Bearbeiten und Abfüllen des Honigs an. Für das reine Abräumen benötigt man ca. 15 Minuten pro Volk. Für die weiteren Arbeiten kann man einen Tag für bis zu 8 Völkern ansetzen.

Die Varroabehandlung kann mit unterschiedlichen Maßnahmen erfolgen. Mit einer Volksteilung (Teilen und Behandlen) mit ca. 30 Minuten pro Volk. Mit einem Ameisensäureverdunster (Nassenheider Professional) mit ca. 5 Minuten pro Volk.

Dann noch Auffüttern, 3×10 Minuten pro Volk. Am Schluss noch die Winterbehandlung mit ca. 10 Minuten pro Volk.

3. Wie sollte der Aufstellungsplatz beschaffen sein?

  • Beherbergen von Bienenvölkern:
    • Die Bienen müssen mehrere Stunden am Tag Schatten haben, d. h. sie dürfen nicht den ganzen Tag in der prallen Sonne stehen.
    • Die Bienen dürfen auch nicht nur im Schatten stehen. Zwei bis drei Stunden Sonne sollten es schon sein.
    • Der Untergrund sollte im Idealfall begrünt sein, nicht aus Stein oder Asphalt, sonst würde er sich bei Sonne zu stark aufheizen.
    • Ihre Nachbarn sollten durch den Bienenflug nicht gestört werden
    • Es sollte ausreichend Platz für die imkerlichen Arbeiten vorhanden sein.
    • Der bei der Arbeit unverzichtbare Smoker verursacht übrigens Gerüche, ähnlich einem Holzkohlegrill. Das führt öfter zu Nachbarschaftsstreit als man denkt.
    • Abends und nachts muss der Standort völlig dunkel sein. Helles Licht, z. B. aus Gartenbeleuchtung oder von einem Sportplatz, würde die Bienen irritieren.
    • Während der Saison von März bis Oktober muss im Schnitt alle 7-9 Tage nach dem Volk gesehen werden.
    • Bedenken Sie bitte, dass Sie dem Imker in dieser Zeit den weitgehend unbeschränkten Zutritt zu den Bienen gewähren müssen.
    • Und noch ein Hinweis, der bisweilen für Überraschung sorgt: Bienenvölker bleiben ganzjährig am Standort. Sie werden also nicht im Herbst in ein “Winterlager” verbracht.
    • Schutz vor Vandalismus sollte vorliegen.

4. Welches Beutensystem soll man nehmen?

Um seinen Gesundheit nicht zu gefährden dürfen Frauen regelmäßig nicht mehr als 10 kg Gewicht heben und bei Männern (über 45 Jahren) sind das 25 kg. Daher wiegen Zementsäcke für Bauarbeiter 20 kg. Regelmäßig bedeutet, mehr als zweimal die Stunde und mehr als 4 Schritte. Eine volle Segeberger Honigzarge wiegt zwischen 25 kg bis 35 kg und würde durch die eine Berufsgenossenschaft abgelehnt werden.

  • Was kann man tun?
    • Halbzargen als Honigzargen verwenden, siehe hier bei Bienen-Voigt
    • Geteilte Honigzargen verwenden, siehe hier bei Holtermann
    • Bei Männern ab 19 Jahren Flachzargen verwenden. Siehe hier bei Holtermann / Bienen-Voigt
    • Einzelhonigrähmchen vor dem Abheben der Zarge entfernen (nur bis zwei Völker realistisch)
    • Laufende Entnahme reifer Honigrähmchen (nur bis zwei Völker realistisch)
    • Zu zweit imkern
  • Wie entscheiden?
    • Zwei Entscheidungskriterien sind zu berücksichtigen: Wabenhygiene und Spätsommerpflege
    • Die Möglichkeit die ausgeschleuderten Honigwaben für einen neuen Brutraum zu verwenden ist nur bei gleicher Rähmchengröße von Honig- und Brutraum möglich
    • Bei gleicher Rähmchengröße von Honig- und Brutraum ist
      • Teilen- und Behandeln (TuB) einfach durchführbar (Volk wird in Bienen und Brut aufgeteilt und nach Plan separat behandelt). Dabei können weden die leeren Honigwaben als neuer Brutraum für die brutlosen Bienen verwendet.
      • Vollständige Brutentnahme (TBE) einfach durchführbar (Die gesamte Brut wird zu einem Zeitpunkt entnommen)
      • Die leeren Honigwaben können bei Bedarf im Brutraum genutzt werden
    • Bei unterschiedlich großen Rähmchen für Honig- und Brutraum ist
      • die Wabenhygiene schwieriger durchzuführen aber möglich. Bspw. die 2 ältesten Rähmchen im Herbst und 1 weiteres im Frühjahr austauschen (Vorschlag Bruder Adam)
      • Teilen- und Behandeln ist nicht möglich
      • die totale Brutentnahme (TBE) ist möglich aber schwieriger durchzuführen
    • Bei Großraumbeuten (Dadant/Deutsch-Normal-Anderthalb) wird mit einem Trennbrett (Schied) gearbeitet um den Brutraum nach den Vorstellungen des Imkers einzuengen. Durch die Verkleinerung des Brutraums ist das Brutnest kompakter, was als Vorteil angegeben wird. Dadurch ist ein höherer Honigertrag möglich, da die Bienen im Brutraum hierfür kaum Platz finden. Die Arbeit mit dem Schied erfordert Erfahrung und entsprechende Aufmerksamkeit. Im Kurs wird dazu noch speziell eingegangen.
  • Hinweise
    • Holzbeuten sind schwerer als Styroporbeuten
    • Flachzargen sind erst kurz vor der Honigernte deutlich über 15 kg
    • Großraumbeuten (Dadant/Deutsch-Normal-Anderthalb) verwenden stardardmäßig Halbzargen im Honigraum
    • Deutsch-Normal Anderthalb kann auch mit Halbzargen/Flachzargen im Honigraum genutzt werden
    • Die Honigernte von zwei DN-Halbzargen sind weniger als von einer Deutsch-Normal-Zarge (DN)
    • Im Süden von Deutschland ist die vorherrschende Beute Zander, im Norden die Segeberger Beute mit Deutsch-Normal-Rähmchen. Weltweit wird Langschroth– oder Langschroth 2/3 verwendet.

Was tun? Unter “Heben von Lasten” ist eine Zusammenstellung aufgezeigt.

Ich verwende die Segeberger Beute mit Flachzargen (2/3 der Größe einer Deutsch-Normal-Zarge). Neben der leichten Beute ist das einheitliche Rähmchenmaß für Honig- und Brutraum ein zu großer Vorteil um darauf zu verzichten.

Der sehr erfahren Imkermeister und Bienenzuchtberater Wulf-Ingo Lau hatte seine Ausbildung noch mit Lüneburger Stülpern begonnen und dann auch mit anderen Rähmchenmaßen geimkert. In den Monatsbetrachtungen 03/2021 führt er aus: “Wegen der anstrengenden Heberei stellte ich vor etlichen Jahren auf die Halbzargen als Honigräume um. Es geschah eigentlich auf Anraten eines Hamburger Imkerkollegen. Da gab es noch keine Segeberger-Flachzargen sonst hätte ich mich wahrscheinlich erstmal für diese entschieden.”

5. Was benötigt man an Imkerausstattung?

Die Anfängerausstattung sollte Folgendes beinhalten:

AnzahlMaterial
2Beuten mit Hochboden, Deckel mit Futterloch, 3 Flachzargen, 6 Ami-Schienen
2Beute mit Hochboden, Deckel mit Futterloch, 1 Flachzarge, 2 Ami-Schienen
2Absperrgitter
4Bodenschieber
2Nassenheider Professional
100Rähmchen
6Mittelwände in kg
1Großer Raucher (Smoker)
1Räuchermaterial (gepresste Holzwolle)
2Stockmeißel
1kleines Messer
2Bienenbesen aus Kunststoff
1Abfangglas für Königinnen (aus Kunststoff)
1Schutzanzug
6Kisten für Rähmchen
1Zeichenstift (zum Zeichnen von Königinnen)
1Zeichenröhrchen
4Abdeckfolie
4Beutengurte
4Mäusegitter
4Flugloch-Schaumstoff
4Winterfutter in Cubitainer 16kg
1Wabenhalter
4Futtereimer
1Einlötgerät für Mittelwände
2Drahtspanner
4Futtertasche
2Kunstschwarm oder Brutwabenableger
4Hobbocks
1Honig-Abfüllkübel
1Refraktometer
1Waage
1Doppelsieb
1Feinsieb
1Rührmaschine mit Propeller
2Ameisensäure in Liter Ad us. vet.
1Oxalsäuredihydrat (Päckchen)
Grundausstattung bei 2 Völkern und 2 Ablegern

6. Wo bekommt man die Bienenvölker her?

Zum Start kann man Wirtschaftsvölker, Ableger oder auch Kunstschwärme nutzen. Bei Wirtschaftsvölkern besteht die Möglichkeit im gleichen Jahr auch Honig zu ernten. Hier eine Zusammenstellung von mir. Beim Kauf sollte eine Seuchenfreiheitsbescheinigung vom Verkäufer übernommen werden, da diese bei der Anzeige der Bienenhaltung benötigt wird. Siehe auch unten unter Nr. 8 rechtliche Vorschriften.

Im Imkerverein ist oft die Gelegenheit von Kollegen Ableger oder sogar Wirtschaftsvölker zu erwerben.

Auf der Webseite der Imkerschule Schleswig-Holstein sind Kleinanzeigen, bei denen in der Saison Bienenvölker angeboten werden.

7. Wo sollten die Bienenvölker aufgestellt werden?

Die Anforderungen an den Aufstellungsplatz (siehe oben unter 3.) sollten erfüllt sein. Dann können Bienen auch Zuhause im Garten aufgestellt werden. Bei der Anzahl der Bienenvölker wird auf die Ortsüblichkeit abgestellt. In Hamburg werden im Durchschnitt ca. 6 Völker gehalten.

Schöner ist ein Platz in einem Kleingarten oder etwas vergleichbarem. Viele Kleingartenvereine wünschen sich Bienenvölker, was für die Aufstellung sehr vorteilhaft ist.

Auch Ausgleichsflächen oder zugangsbeschränkte Flächen sind vorteilhaft. Die Anzahl der Völkerdiebstähle oder Vandalismusfälle nimmt leider zu, so dass unbewachte Aufstellungsorte heute nicht mehr empfehlenswert sind.

Die Aufstellung von Bienenvölkern auf Dächern und insbesondere auf Balkons werden heute von den Veterinären sehr kritisch angesehen. Daher werden die Voraussetzungen (siehe oben unter 3.) genauer geprüft.

8. Welche rechtlichen Vorschriften sind zu beachten?

Ein Bienenstand muss nicht genehmigt, aber bei der zuständigen Veterinärbehörde angemeldet werden. Für den Fall einer behördlich angeordneten Besichtigung muss der Zugang ebenfalls ermöglicht werden. In Hamburg siehe hier und hier das Formular.

Bitte beachtet: “Dem Bezirksamt ist eine Bescheinigung des beamteten Tierarztes vom Herkunftsort, aus der hervorgeht, dass die Bienen frei von Amerikanischer Faulbrut sind und der Herkunftsort nicht in einem Faulbrut-Sperrbezirk liegt, vorzulegen”. Meistens wird dieser als “Seuchenfreiheitsbescheinigung” bezeichnet.

Das Untersuchungsergebnis einer Faulbrutuntersuchung ist nicht die “Seuchenfreiheitsbescheinigung”. Mit dem Untersuchungsergebnis prüft der zuständige Veterinär, ob das untersuchte Volk in einem Faulbrutbezirk liegt. Wenn das nicht der Fall ist, wird eine “Seuchenfreiheitsbescheinigung” ausgestellt. D.h. beim Kauf muss diese Bescheinigung vom Verkäufer eingefordert werden. Dies gilt neben Wirtschaftsvölker auch für Ableger.

Bei der Bienenhaltung ist die Bienenseuchenverordnung zu beachten. Zur Zeit betreffen die wichtigsten Punkte die Amerikanische Faulbrut, sowie die Behandlungspflicht gegen Varroa.

Bei der Honigbearbeitung ist eine Reihe von Vorschriften zu beachten. Hier dazu der Link zum Deutschen Imkerbund. Die Verwendung des Deutschen Imkerbund-Glases mit den Gewährverschlüssen des Deutschen Imkerbundes ist nur Nachweis einer zweitägigen Honigschulung möglich. Der Imkerverband Hamburg führt jährlich ein bis zwei Kurse hierfür durch.

9. Welche Versicherungen werden benötigt?

Die meisten Haftpflichtversicherungen übernehmen auch Schäden, die von euren Bienen verursacht werden.

Wer eine Privathaftpflichtversicherung hat, sollte in den Versicherungsbedinungen prüfen, ob die Bienenhaltung beinhaltet ist. Meistens sollte der folgende Text vorliegen: “Versichert sind Schäden, für die Sie als Halter oder Hüter der folgenden Tiere verantwortlich gemacht werden: … und Bienen. Der Versicherungsschutz setzt voraus, dass Sie das Tier weder zu gewerblichen noch zu landwirtschaftlichen Zwecken halten.”

Nicht versichert sind Schäden die eure Bienenvölker erleiden, wie z.B. Vandalismus, Diebstahl oder Verlust durch Unfälle. Die Mitglieder der Hamburger Imkervereine sind über den Landesverband Hamburg bei der Imkerglobalversicherung mit ihren angegebenen Völkern versichert, die derartige Schäden übernimmt. Die Mitgliedschaft in einem Hamburger Imkerverein ist auch daher empfehlenswert.

Praxistermine

Mit etwas Glück findet man einen Praxiskurs oder einen Imker bei dem man über die Schulter schauen kann oder idealerweise selber imkert. Die folgende Inhalte sind dabei sehr wichtig.

  • Unterrichtsinhalte:
    1. Praxistermin Volksdurchsicht
    2. Praxistermin Ablegerbildung
    3. Praxistermin Teilen und Behandeln
    4. Praxistermin Varroabehandlung mit Nassenheider Professional

(c) 2021 Gökhan Gebel